Wo sind die Grenzen künstlerischer Freiheit, wo beginnt die Geschichtsfälschung?

27. September 2009

Diese Frage stellt sich beim Kinofilm “Berlin 36. Die wahre Geschichte einer Siegerin”. Zwei Hauptfiguren rücken beim Olympiadrama ins Blickfeld. Gretel Bergmann, gespielt von Karoline Herfurth, und Dora Ratjen, verkörpert durch Sebastian Urzendowsky. Im Film entwickelt sich zwischen den beiden Außenseiterinnen, der Jüdin Bergmann und der maskulin wirkenden Ratjen, eine innige Beziehung, die es in Wahrheit so nie gegeben hat.

Gerade dem Schicksal Dora Ratjens wird der Film nicht gerecht. Ratjen kann sich darüber nicht mehr beklagen. Er verstarb 2008 im Alter von 89 Jahren.

Nun sind Abweichungen von der historischen Realität im Film nicht unüblich. Problematisch wird der Fall jedoch dadurch, dass die Filmproduktion für sich in Anspruch nimmt, mit “Berlin 36″ die  historische Wirklichkeit abzubilden und damit auch offensiv wirbt.

Hier könnt Ihr lesen und hören, was ich von dem Fall halte, im Anschluss findet Ihr dann einen Pressespiegel zur Kontroverse um den Film.

Deutschlandfunk, 13.09.2009

Wahre Geschichte?
Historiker-Streit um Kinofilm “Berlin 36″
Von Michael Barsuhn

Er erzählt das tragische Schicksal der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann, doch die als historischer Kinofilm angespriesene Erzählung “Berlin 36″ weist inhaltliche Fehler auf. Der Regisseur verteidigt sich: Ohne diese seien Situationen “viel langweiliger geworden”.

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Frankfurter Rundschau, 14.09.2009

Konstrukt statt Wahrheit
Von Michael Barsuhn

Berlin im Sommer 1936. Bei den Olympischen Spielen unter dem Hakenkreuz steht der Hochsprungwettbewerb der Frauen kurz vor der Entscheidung. Die 17-jährige Deutsche Dora Ratjen läuft an, springt und reißt die Latte, auch im letzten Versuch. Ratjen muss sich mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Im Zentrum der von Regisseur Kaspar Heidelbach erzählten Version der Ereignisse steht die Freundschaft zwischen Dora Ratjen (Sebastian Urzendowsky) und der Jüdin Gretel Bergmann (Karoline Herfurth), eine Freundschaft, die es jedoch so nie gegeben hat. Dies belegt das auf historischen Fakten beruhende Buch zum Film “Berlin 36″ von Jutta Braun und Berno Bahro von der Universität Potsdam, außerdem Bergmanns Autobiographie und jüngste Interviews mit ihr, die heute 95-jährig in New York lebt.

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Deutschlandfunk, 19.09.2009

Keine wahre Geschichte
Kontroverse um den Kinofilm “Berlin 36″ spitzt sich zu
Von Michael Barsuhn

Der Film “Berlin 36″ behauptet im Untertitel, “die wahre Geschichte einer Siegerin” zu erzählen. Doch mehrere Historiker und neue Recherchen widerlegen dies. Der Film erzählt bewusst historische Unwahrheiten und will dennoch als Unterrichtsmaterial herhalten.

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